von Daisyyyy
Ich bin müde.
Nicht vom Heute,
sondern von all den Tagen davor,
die nie wirklich aufgehört haben.
Müde davon, stark zu sein,
wenn Stärke nie eine Wahl war,
sondern Überleben.
Müde davon, allein zu tragen,
was eigentlich Hände gebraucht hätte,
aber niemand reichte.
Müde, mich neu zu ordnen,
mich neu zu erfinden,
mich selbst zu suchen
zwischen all den Spiegeln,
die sagten: „Sei anders, sei genug.“
Müde von Erinnerungen,
die sich nicht wie Vergangenheit anfühlen,
sondern wie Schatten,
die noch leben in mir.
Müde vom Nicht‑zurechtkommen,
vom Vergleich, vom Sehnen,
von allem, was andere haben
und mir so fern scheint.
Und ja, müde von der Wut:
auf die Welt, auf Menschen,
auf mich,
weil ich noch nicht da bin,
wo ich sein wollte,
wo ich gehört hätte.
Ich bin müde,
nicht vom Leben –
sondern vom Leben ohne Halt,
vom Leben ohne Anker.
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