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Eileen und Nele Teil 1

von Gelireth


1
„Musst du dauernd mit dem Ding in der Gegend rumwedeln?“ Nadine verdeckt mit ihrer Hand die Linse meiner Kamera und zieht eine genervte Schnute. „Du hast doch schon zehntausend Fotos von dem Spiel gemacht. Für die Schülerzeitung brauchst du doch nur eins.“ Sie nimmt die Hand weg und fächelt sich mit einer Boulevard-Zeitschrift in der anderen Luft zu. Ich zucke mit den Schultern und halte mithilfe des Zooms meiner Nikon Ausschau nach einem weiteren interessanten Motiv.
Es ist ein sehr heißer Juninachmittag und viele Schüler der Oberstufe haben sich rund um den Bolzplatz und auf der Tribüne versammelt, um unsere Fußballmannschaft bei diesem wichtigen Spiel zu unterstützen.
Rechts neben mir sitzt Emma, die die aktuellen Geschehnisse auf dem Feld fleißig auf einen Block kritzelt, die kastanienbraunen Haare wie immer zu einem Fischgrätenzopf gebunden. Auch sie arbeitet bei der Schülerzeitung und hat sich diesen Artikel schnell unter den Nagel gerissen – sie selbst spielt im Verein und wäre sowieso heute hier gewesen. Nadine hatte sich wohl eher auf den Anblick schwitzender Sportler in der Sonne gefreut, doch bereits nach wenigen Minuten hatte sie das Interesse wieder verloren. Die Zeitschrift hatte sie längst ausgelesen und seit einer geschlagenen halben Stunde motzt sie nur noch über die Hitze und die unbequemen Tribünenbänke.
„Wann gehen wir endlich?“fragt sie und wirft ihr langes blondes Haar nach hinten.
„Es ist bald vorbei.“ tröstet Emma. „Aber ich muss bis zum Schluss bleiben.“
Ich kriege den Ball vor die Linse, doch er ist wieder verschwunden, bevor ich abdrücken kann. Ich lasse die Kamera sinken und seufze. „Ehrlich Emma, ich kann dem auch nichts abgewinnen.“
Emma stöhnt laut auf. „Nicht du auch noch, Nele. Euer Gemeckere versaut einem den ganzen Spaß.“
„Spaß?“ fragt Nadine mit hochgezogener Augenbraue hinter der Sonnenbrille.
„Tut mir Leid, Emma.“ sage ich schnell, um die Stimmung nicht weiter sinken zu lassen und deute an Nadine gewandt auf den Kiosk am anderen unteren Ende der Tribüne. „Lass uns doch mal ein Eis oder was Kaltes zu trinken holen.“ Nadine zuckt mit den Schultern und steht auf. „Von mir aus.“ sagt sie und wir schlängeln uns vorsichtig durch die vollbelegten Reihen. „Bringt mir `ne Cola mit!“ ruft Emma uns hinterher. Ich winke ihr zu und grinse.
Am Kiosk ist einiges los und wir müssen eine Weile warten. Wenigstens spenden einige Bäume ein wenig Schatten.
„Was macht denn die ‚Freak Show` hier?“ meint Nadine und deutet mit einer Kopfbewegung zu einer hochgewachsenen Kastanie. An deren Fuß sitzen drei Gestalten, die trotz der Hitze recht dunkel gekleidet sind.
Sven ist etwas dicklicher, hat schwarzgefärbte Haare mit hellem Ansatz, trägt einen schwarzen Pulli und dunkle Shorts. Er sitzt an den Baum gelehnt und scheint das Spiel mit Spannung zu verfolgen.
Neben ihm im Schneidersitz sitzt Eileen, ein schlankes Mädchen mit brünettem kurzen Irokesenschnitt und an den Seiten kurzgeschorenem Kopf, in ein Buch vertieft. Sie trägt ein khakifarbenes Tanktop und schwarze Shorts. Im Ohr baumelt ein schwarzer Ring.
Das Trio komplett macht Max Treskenberger, kurz Tresker genannt. Er liegt in langen Cargohosen und einem Metallica-Shirt auf dem Bauch im Gras, die hüftlangen blonden Dreads im Nacken mit einem breiten Band zusammengebunden und dreht sich eine Zigarette.
Nadine ist nicht die einzige, die die drei so abwertend bezeichnet. Sie sind eine geschlossene Gruppe, bleiben stets unter sich. Sie halten sich immer im Hintergrund und wir sind so an sie gewöhnt, dass wir sie in der Schule meist nur als Schatten wahrnehmen, wie zugehörig zum Inventar, aber nicht sonderlich wichtig. Kaum jemand weiß etwas über sie, aber zugegeben: es hat sich bisher auch niemand die Mühe gemacht.
Auch ich nicht. Ich nicke ihnen gewöhnlich zu, wenn ich ihnen im Flur begegne, doch ihre Andersartigkeit – und das Selbstbewusstsein, mit dem sie es vertreten, schüchtern mich ein wenig ein. Nicht, dass ich das öffentlich zugeben würde.
„Nicht so laut.“ ermahne ich sie. Dann drücke ich ihr einen Fünfer in die Hand. „Geh du doch schon mal das Eis und die Getränke holen. Ich werde den Blickwinkel nutzen.“ Ich hebe die Kamera. Nadine zuckt mit den Schultern und ich verlasse die Schlange.
Das Tor der gegnerischen Mannschaft steht in der Nähe. Ich schieße ein paar Bilder, als der Ball in die Nähe kommt und genieße den Schatten. Wieder lasse ich meinen Blick durch den Zoom über den Platz und die Tribüne gleiten, doch Nadine hat Recht: ich habe schon sehr viel fotografiert und so langsam wird es langweilig.
Ich bleibe bei den dreien unter dem Baum hängen. Tresker hat seine Zigarette mittlerweile fertig gedreht und raucht. Sven trommelt nervös auf den aufgestellten Knien herum. Eileen liest noch immer. Vor lauter Konzentration beißt in ihre Unterlippe und nickt dann kaum merklich. Offensichtlich stimmt sie dem zu, was dort geschrieben steht. Ich zoome ein wenig an die drei heran und drücke den Auslöser. Das Geräusch geht in dem Stimmengewirr unter, doch Eileen scheint sich gestört zu fühlen. Sie sieht auf und direkt in die Linse, als ich – noch etwas näher an sie heran gezoomt – zum zweiten Mal abdrücke.
Ich spüre, wie ich rot werde und wende mich schnell ab, um das Tor zu fotografieren, doch es dauert eine Weile, bis ich mich traue, mich wieder umzudrehen. Sie ist wieder in ihr Buch vertieft und ich laufe zurück zu Nadine, um ihr beim Tragen zu helfen.
2
„Na, eeeeeendlich.“ seufzt Emma erleichtert, als die Schulklinge die letzte Stunde beendet und das Wochenende einläutet. „Nicht ganz.“ erinnere ich sie, als wir unsere Sachen packen und aus dem Klassenzimmer gehen.
Das Gebäude ist fast leer. Unser Leistungskurs Französisch ist einer von nur zwei Kursen, die die wenigen Oberstufler freitagabends bis um sechs festhalten.
„Kannst du das nicht machen?“ bettelt Emma. „Ich wollte mich gleich noch mit Nadine und Katja wegen dem Referat für Dienstag treffen.“
Ich nicke. „Ist gut. Gib mir den Artikel. Ich geh ihn kopieren.“ Emma kramt die Seite aus ihrem Block, küsst mich auf die Wange und verlässt mit vielen anderen Wochenendfreudigen das Gymnasium. Es wird still und als ich die Bücher, die ich nicht bis Montag brauche, in meinem Spind einschließe, hallt das Geräusch unangenehm laut durch den Flur.
Der Kopierraum befindet sich im Keller und mache die gewünschte Kopie von dem Artikel für das Archiv. Es ist kühl und dunkel hier unten. Die Luft riecht feucht und ein wenig abgestanden. Ich verstaue alles in meinem Rucksack und will die Glastür öffnen, die zur Treppe nach oben führt.
Sie bewegt sich nicht.
Ich rüttle ein wenig an der Klinke und dem breiten Metallgriffrahmen, doch sie gibt nicht nach. Ich klopfe an die Scheibe und rufe ein paar Mal. Doch es hat keinen Zweck.
Ich bin eingeschlossen.
Ich hole mein Handy heraus, doch der Akku macht nach drei Sekunden schlapp. Mist, denke ich. Ich habe vergessen, ihn zu laden.
Plötzlich höre ich leise Musik. Ich laufe zurück, am Kopierraum vorbei und weiter den Gang entlang. Im Keller befinden sich noch ein Lagerraum für alte Schulbücher, ein größerer Aufenthaltsraum mit einem Getränkeautomaten und Tischkicker für die Oberstufenschüler, zwei kleinere Zimmer für Nachhilfestunden und ein gut isolierter Musikraum.
Ich öffne die Tür des Musikraums und bleibe wie angewurzelt stehen. Mein Blick fällt als erstes auf Eileen, die ihre Finger über die Tasten des riesigen schwarzen Flügels mitten im Raum gleiten lässt. Tresker ist völlig versunken in sein Bassspiel und Sven lässt seine Sticks mit geschlossenen Augen über das Schlagzeug fliegen.
Sie klingen gut – unausgegoren vielleicht, aber mir gefällt die Harmonie und Eileens Melodie. Es klingt rockig und verträumt mit viel Kraft – ein wenig wie Evanescence.
Ich stehe ein paar Minuten unschlüssig in der Tür und höre ihnen zu. Plötzlich hört das Klavierspiel auf.
Eileen hat mich bemerkt. Auch Sven und Tresker unterbrechen ihr Spiel abrupt.
„Tut mir Leid“ sage ich schnell, „aber wir sind eingeschlossen. Habt ihr einen Schlüssel?“ Sven sieht auf die Uhr und stößt einen Fluch aus. Tresker schüttelt den Kopf. „Nee, leider nicht.“ sagt er, legt den Bass vorsichtig bei Seite und steht auf, um in seiner Hosentasche nach seinem Handy zu fischen. „Kein Netz.“ stellt er fest. „Ist noch irgendwo ein Fenster offen?“ fragt er an mich gewandt.
„Ich weiß nicht.“ gebe ich zu. Eileen steht ebenfalls mit dem Handy in der Hand auf. „Wir sollten besser nachsehen. Ich habe auch keinen Empfang.“
Wir machen uns auf den Weg, doch der Lagerraum ist abgeschlossen und die Kellerfenster in den Schulungsräumen sind vergittert. Eileen steigt im Aufenthaltsraum auf einen Stuhl, öffnet das schmale Fenster und lugt nach oben. „Keine Chance.“ stellt sie fest. „Das Gitter ist festgeschweißt.“ Sie hebt ihr Handy nach oben und schüttelt dann den Kopf.
„Lass mich mal. Ich hab so ein altes Netz, das geht vielleicht.“ Sven tauscht mit Eileen und stößt einen triumphierenden Schrei aus. „Wen sollen wir anrufen?“ fragt er. „Keine Ahnung.“ sagt Tresker. Nach und nach sehen sie alle zu mir.
Ich hebe die Hände in einer entschuldigenden Geste. „Ich weiß es auch nicht.“
„Ist eigentlich egal.“ meint Eileen schließlich mit den Händen in den Hosentaschen. „Ruf jemanden an, der in der Lage ist, den Hausmeister zu verständigen.“
Sven nickt und quetscht sich in den Fensterrahmen. Außer seinem dumpfen, unverständlichen Gemurmel herrscht einen Moment unangenehmes Schweigen.
„Eure Musik klingt super.“ sage ich nach eine Weile. Eileen hebt eine Augenbraue. „Super?“ Ich werde ein wenig rot, als ich merke, wie lasch das klingt. „Naja“, sage ich schnell, „ihr harmoniert gut miteinander. Kein Instrument dominiert das andere. Die Melodie klingt stimmig und einprägsam. Und doch wird man mit dem einen oder anderen Ton überrascht.“ Eileens Ausdruck verliert an Schärfe und auch Tresker hört jetzt aufmerksam zu. „Aber“, fahre ich fort. „ich finde, es fehlt die E-Gitarre. Sie würde das Ganze noch abrunden.“ Tresker nickt. „Joah, der Malte fehlt schon. Drüsenfieber. Müsste aber ab nächster Woche wieder da sein.“ Ich blinzle überrascht. „Malte? Malte Ottmann?“ „Genau der.“ bestätigt Tresker.
Malte ist ein unauffälliger, netter Nerd mit Hornbrille, der zwei Klassen übersprungen hat und Gerüchten nach schon ein Stipendium für eine Hochschule in der Schweiz in der Tasche hat.
Tresker lacht über meine verdutzte Miene. „Ja, man sieht’s dem Kleinen gar nicht an. Aber er rockt so richtig ab.“
„Leute!“ Sven steigt vom Stuhl. „Schlechte Nachrichten. Der Hausmeister wohnt in Richtersgarten und wenn er eben erst losgefahren ist, dauert es noch ne Weile, bis man ihn erreicht.“ Eileen stöhnt auf. „Ganz zu schweigen vom Rückweg. Auf der Strecke ist doch dauernd Stau, vor allem an den Wochenenden.“
„Es könnte schlimmer sein.“ tröste ich. „Immerhin könntet ihr hier weiterspielen.“ Tresker zuckt mit den Schultern. „Ist ne gute Idee.“ gibt er zu und wir wenden uns zum Gehen. Auf dem Weg zum Musikraum finde ich mich neben Eileen wieder. „Spielt ihr schon lange?“ Eileen zieht die Hand aus der Hosentasche und macht eine wage Geste. „Naja, zusammengefunden in dieser Kombi haben wir uns so vor ungefähr drei Jahren. Unsere Sängerin Madeleine ist immer nur am Wochenende da. Und wir versuchen eben unter der Woche so oft wie möglich den Raum zum Üben zu bekommen.“
„Und ihr schreibt eure eigenen Songs?“
Sven hebt die schwere Tür für uns auf. „Mittlerweile ja. Angefangen haben wir mit Coversongs – Evanescence, HIM, Within Temptation – die Sparte.“ sagt er.
Sie spielen noch einmal den Song von vorhin und noch einen zweiten. Ich sitze in einem Sessel, höre zu und beobachte die drei beim Spielen. Tresker zwinkert mir zu und lächle zurück. Ich kann ihn gut leiden. Sven ist schwerer einzuschätzen. Am interessantesten finde ich jedoch Eileen. Ihre Miene ist ernst und undurchdringlich. Sie konzentriert sich auf die Tastatur und fokussiert immer die Taste, die sie als nächstes drücken wird. Ich merke, dass ich sie anstarre und wende mich schnell ab. Ihre Coolness beeindruckt mich. Ich frage mich, was darunter liegt. Ob sie schon immer so war, ob sie sich tatsächlich mit ihrem toughen Auftreten wohlfühlt oder auch gelegentlich so unsicher sein kann wie ich.
Nach einer Weile legt Tresker den Bass wieder weg. „Ich kann nicht mehr, Leute.“ sagt er. „Ich brauch mal ne Pause.“ Er holt seine Tüte mit Tabak aus der Tasche und fingert eine fertig gedrehte Zigarette heraus. Er steckt sie sich in den Mund und hebt ein Feuerzeug ran. Eileen räuspert sich und sieht mich an. Tresker hält inne. „Du verpetzt mich doch nicht, oder?“ fragt er mit einem Grinsen. In der Schule herrscht absolutes Rauchverbot. Ich grinse zurück und schüttle den Kopf. „Aber vielleicht gehst du besser in den Aufenthaltsraum. Da kann man das Fenster aufmachen.“
„Guter Punkt.“ Er formt mit seiner Hand eine Pistole und schießt mich spaßeshalber ab. Wir gehen alle zum Aufenthaltsraum. „Du glaubst, ich würde euch ankreiden?“ frage ich Eileen unsicher. Sie zuckt mit den Schultern. „Du bist schwer einzuschätzen –„ meint sie. „Prinzessin.“ fügt sie dann noch hinzu und ihr Mundwinkel zuckt. Im ersten Moment bin ich perplex, doch entschließe ich mich zu einer Retourkutsche. „Das musst du gerade sagen – Freak!“ Für den Bruchteil einer Sekunde starren wir uns an, dann grinsen wir und Tresker gluckst. Wir machen es uns bei offenem Fenster auf den alten, miefigen Sofas bequem. „Was hattest du hier eigentlich noch so spät zu suchen?“ will Tresker nach einem Zug wissen.
„Ich habe einen Artikel für die Schülerzeitung kopiert – für die Akten. Den über das Fußballspiel vor ein paar Tagen.“
„War spannend, oder?“ sagt Sven. Ich hebe die Schultern. „Ich stehe nicht so auf Fußball. Die Fotos habe ich nur Emma zuliebe gemacht. Sie spielt selber im Verein und hat den Artikel freiwillig übernommen.“
„Worauf stehst du dann?“ fragt Eileen. Sie hat etwas Lauerndes in der Stimme. „Mich fotografieren?“
Ich werde knallrot und stottere. „Ich habe alles Mögliche fotografiert. Das war Zufall.“ behaupte ich. Ich sehe an ihrer spöttischen Miene, dass sie mir nicht glaubt.
„Lass sie in Ruhe, Eileen.“ sagt Tresker ruhig und fährt an mich gewandt fort: „Sie versucht nur, dich zu verunsichern, um aus dir schlau zu werden.“
„Halt die Klappe, Tresker.“ schnappt Eileen scharf.
Ich gucke von Tresker zu Eileen. „Wieso? Fragt doch einfach, wenn ihr was wissen wollt.“
Eileen schnaubt und Tresker zuckt mit den Achseln. „Bei euch beliebten, angepassten Mädchen weiß man nie, woran man ist. In einem Moment seid ihr nett zu uns und im nächsten spielt ihr uns böse mit.“
„Das ist nicht wahr.“ sage ich verärgert. „Das würde ich nie tun.“
„Ach ja?“ Eileen hebt eine Augenbraue. „Soweit ich mich erinnere, war es deine Freundin Nadine, die den Reichler dazu angestiftet hat, groß und breit ‚Lesbe` auf meinen Spind zu schmieren.“
Ich zucke zusammen, denn das stimmt. „Sie ist sonst nicht so.“ murmele ich. Eileen schnaubt. „Ja, klar.“
Zornig stehe ich auf. „Du bist sehr schnell darin, andere zu verurteilen.“ Ihr Kopf schnellt zu mir herüber. Auch sie ist jetzt wütend. „Und du nicht?“ entgegnet sie.
„Hey.“ fährt Tresker dazwischen und hebt die Hände. „Kommt runter, ihr zwei.“ Es herrscht einen Moment Schweigen und ich setze mich langsam auf die Sofakante. „Nadine hat ihre Macken und sie kann recht oberflächlich sein.“ gebe ich schließlich zu. „Aber sie hat auch ihre guten Seiten.“ Eileen verschränkt die Arme vor der Brust. „Ja, das war ne Scheiß-Aktion“, fahre ich fort. „aber am Tag davor ist ihr Vater ausgezogen. Sie war einfach wütend auf die Welt.“
„Und das ist ein Grund, es an mir auszulassen?“ Sie ist nun richtig sauer. „Vielen Dank auch!“ Ich schüttle heftig den Kopf. „Nein, aber das war nicht persönlich gemeint.“
„Toll, soll ich mich jetzt besser fühlen?“ In ihren Augen blitzt es.
Sie sind blau, fällt mir auf.
Ich schüttle den Gedanken schnell ab. Eileen fährt sich durch den Iro und holt eine Packung Zigaretten heraus. Selbst die Art und Weise, wie sie sie ansteckt und raucht, ist wütend. Tresker und Sven sehen ratlos aus und scheinen auch nicht zu wissen, wie sie die Situation entschärfen können.
Wieder schweigen wir eine Weile. Ich hoffe auf eine baldige Befreiung, doch gleichzeitig nagt es an mir, dass sie nun sauer auf mich ist. Zu Recht.
„Tut mir leid.“ sage ich dann leise. „Du machst es mir ganz schön schwer – ich meine, ich trete bei dir von einem Fettnapf in den nächsten.“ füge ich schnell hinzu, als ihr Blick wieder Funken schlägt. Die Funken verglühen.
„Ich weiß einfach nicht, worüber ich mit dir reden soll.“
Ihr Gesichtsausdruck verliert an Schärfe. Tresker und Sven entspannen sich sichtlich, wechseln dann einen Blick und stehen auf. Sie gehen zum Tischkicker und lassen uns auf dem Sofa allein.
„Willst du denn mit mir reden?“ fragt Eileen und nimmt einen Zug. Ich lächle sie an und nicke. „Ich glaub, ich kann dich ganz gut leiden – wenn du nicht gerade wütend auf mich bist.“ Ihre Mundwinkel zucken. „Dito.“ sagt sie dann zögerlich. „Aber was Tresker gesagt hat, ist wahr. Es ist schwer, euch einzuschätzen. Man weiß nie, wann ihr uns Außenseitern den Rücken fallt.“
„Ich werds nicht tun.“ verspreche ich. „Zumindest hab ich das nicht vor.“
„Damit wärst du die Ausnahme im Prinzessinnen-Club.“
„Steck uns nicht alle in eine Schublade.“ bitte ich sie.
„Entschuldige.“ Sie meint es ehrlich. „Aber du scheinst jemand zu sein, der immer mit dem Strom schwimmt.“
„Ist das so schlimm?“
Eileen drückt ihre Zigarette aus. „Nicht unbedingt, aber es kann einschüchternd sein. Ihr seid die Elite und wir müssen ständig um Akzeptanz kämpfen.“
Ich runzle die Stirn. „Ihr findet uns einschüchternd?“ Sie sieht mich aufmerksam an, als ich fortfahre. „Aber du bist so unabhängig und selbstbewusst. Du wirkst nicht so, als würdest du um Akzeptanz kämpfen wollen.“
Tresker flucht laut. Offensichtlich ist er am Verlieren.
Eileen fährt sich wieder durch die Haare. „Nun ja, ich habe irgendwann aufgehört, mich um jeden Preis anpassen zu wollen. Das hier…“ Sie deutet zuerst auf ihre Haare und dann ihr restliches Selbst. „…entspricht nun mal noch am ehesten meinem wahren Ich. Zumindest für den Augenblick.“
„Ich dachte immer, dass du vielleicht provozieren willst.“
Sie lächelt und zuckt mit den Schultern. „Naja, vielleicht ein bisschen.“
Ich zupfe ein wenig am Sofapolster herum.
„Auch auf die Gefahr hin, dass du wieder wütend wirst…“ beginne ich zögernd. Sie scheint zu ahnen, was kommt. Sie seufzt. „Na, frag schon.“ sagt sie.
„Stimmt es… Stehst du auf Frauen?“
Sie nickt und lässt mich nicht aus den Augen, versucht aus meiner Reaktion Schlüsse zu ziehen.
„Erschreckt dich das?“
Ich denke kurz nach, dann schüttle ich den Kopf. „Nein, das macht dich noch interessanter.“
Eileen lacht und mir fällt auf: sie ist hübsch. Ich mag ihr Lachen.
„Du findest mich interessant?“
„Ja, du bist ganz anders, als ich gedacht hätte. Nicht so düster und aggressiv.“
„Aggressiv?“ ruft Tresker, der plötzlich neben uns aufgetaucht ist, und schüttelt sich vor Lachen. Sven und Eileen fallen mit ein. „Sie kann keiner Fliege was zu Leide tun.“ Er legt ihr eine Hand auf die Schulter und hält sich die Handfläche schräg vor den Mund, so als ob er ein Geheimnis verraten würde. „Sie ist sogar verflucht schüchtern. Aber sag ihr nicht, dass ich das gesagt habe.“ Eileen boxt ihn spielerisch in die Seite. „Vollpfosten.“ lacht sie.
Die Stimmung ist angenehm gelöst. „Spielt ihr mit?“ fragt Sven. „Ich bin total schlecht.“ gebe ich zu. Tresker zwinkert mir zu. „Sven auch.“
Ich spiele mit Eileen gegen Tresker und Sven. Eileen macht ein paar meiner Fehler wett, doch wir verlieren trotzdem die ersten drei Spiele. Das vierte geht knapp aus und seltsamerweise landet durch mein frustriertes Trillern der Siegerball im Tor. Ich jubele und falle Eileen um den Hals. „Das gilt nicht.“ protestiert Sven.
Bald gehen uns die 50-Cent-Münzen aus, doch von Rettung ist immer noch nichts zu hören. Wir setzen uns wieder auf die Sofas. „Hoffentlich sitzen wir hier nicht das ganze Wochenende.“ meint Sven und holt sein Handy aus der Hosentasche. „Ich ruf nochmal an und frag mal nach.“ Von Tresker ist ein Grummeln in der Magengegend zu hören. Ich grinse und stehe auf. „Ich hab noch ein paar Gummibärchen in meinem Rucksack, glaub ich.“ Ich hole ihn aus dem Musikzimmer, setze mich wieder zu den anderen und fange an, darin zu kramen. Ich verteile ein paar Bücher, meinen Schreibblock und Ledermäppchen auf dem Tisch, ehe ich die Packung finde. Ich halte sie Tresker hin. Er nickt dankend, öffnet die Packung und stopft sich eine Handvoll in den Mund. „Ey, lass uns noch welche übrig.“ mault Sven und greift ebenfalls danach. „Übrigens, der Hausmeister ist unterwegs.“ sagt er kauend.
Eileens Blick fällt auf meinen Block. „Mathe ist nicht gerade deine Stärke, oder?“ sagt sie und schnappt sich den Block. Ich schüttle den Kopf. „Meistens versuche ich irgendwie die Lösungswege auswendig zu lernen und sie durch zu exorzieren. Aber verstehen tu ich den Kram nicht.“ Eileen nimmt sich einen Stift und rückt näher zu mir, so dass wir zusammen auf meine Aufzeichnungen gucken können. „So schwer ist das gar nicht.“ Sie deutet auf eine Zeile. „Du machst es dir unnötig kompliziert. Hier machst du einfach eine Induktion und setzt dann die Mitternachtsformel ein.“ Ich runzle die Stirn und versuche zu verstehen, was sie meint. „Hm“, meine ich dumpf. „schon das Prinzip bei der Induktion ist mir unklar.“
Sie lächelt. „Darf ich dir das zeigen?“ fragt sie. „Ich bitte darum.“
Sie ist geduldig und einige Minuten später bin ich fassungslos über die simple Logik, die dahinter steckt. Es macht tatsächlich Sinn. Meine Hausaufgaben sind schnell gelöst – sogar beinahe eigenständig.
„Wow!“ sage ich beeindruckt. „Ich wusste gar nicht, dass du so gut in Mathe bist.“ Sie grinst. „Nun ja, du weißt so einiges nicht über mich.“
In diesem Augenblick steckt der Hausmeister den Kopf in das Zimmer. „Ihr seid erlöst.“ sagt er ein wenig grimmig und wedelt mit dem Schlüsselbund. „Das nächste Mal solltet ihr besser auf die Zeit achten, damit ich nicht wieder die ganzen 70 Kilometer hin- und zurückfahren muss.“
Wir packen schnell unsere Sachen, bedanken uns für die Befreiung und verschwinden. Fast bin ich ein wenig enttäuscht.
Draußen ist es schon dunkel. „Wir kommst du nach Hause?“ fragt mich Tresker. „Mit dem Fahrrad.“ sage ich und deute auf den Fahrradständer vor dem Haupteingang, der bis auf mein altes, rotes Rad verwaist ist.
„Wo wohnst du denn?“
„In der Bergstraße.“
Tresker schüttelt den Kopf. „Da bist du ja ne Weile unterwegs. Komm, ich nehm dich mit. Wir packen dein Rad in den Kofferraum.“
Wir kriegen den Kofferraum nicht ganz zu und da Sven zuerst raus muss, quetschen Eileen und ich uns auf die Rückbank des Dreitürers. Quetschen, da einige Flaschen Apfelsaftschorle – leere und gefüllte – die ohnehin schon schmale Rückbank sehr in Anspruch nehmen.
Nach Sven ist Eileen dran. Batzmacher Weg 18. Sie lächelt mir zum Abschied zu und steckt sich eine Zigarette zwischen die Lippen. Ich setze mich nach vorne und wir fahren weiter.
„Du hast ganz schön Eindruck heute hinterlassen.“ meint Tresker freundlich, als wir in die Bergstraße einbiegen. „Ihr auch.“ antworte ich. „Ich hatte schon lang nicht mehr so viel Spaß.“
„Schön. Anfangs dachte ich ja, Eileen und du, ihr springt euch an die Kehle.“
Ich muss lachen. „Ja, war ne gefährliche Situation.“ Tresker hält vor der Nummer 29 an. Wir steigen aus und er hebt mein Fahrrad aus dem Kofferraum. Dann hält er mir die Hand hin und ich schüttle sie. „Du bist in Ordnung, Kleene.“ sagt er und zwinkert.
„Du auch.“ erwidere ich. „Ihr alle.“
Als ich später im Bett liege, starre ich noch lange an die Decke. Ich denke an die Songs, die sie gespielt haben und das Kickern. Doch vor allem denke ich an Eileen, an unseren Streit und ihr Lachen.
Es dauert lange, bis ich einschlafen kann.
3
„Hast du dir die Broschüren schon angesehen?“ fragt Mama, als ich am Sonntag zum Frühstück auf die Terrasse komme. Ich setze mich auf meinen Lieblingsstuhl und greife nach einem Croissant. „Hab mal drin rumgeblättert.“ sage ich unbestimmt. In Gedanken verdrehe ich die Augen. Mama hält beim Brötchen-Schmieren inne. „Schätzchen“, sagt sie mit ernstem Gesicht. „zwei Fremdsprachen reichen heute nicht mehr. Du solltest dich bald für einen Sommerkurs entscheiden.“ Sie legt das Messer beiseite. „Am besten wäre etwas exotisches wie Chinesisch oder Portugiesisch.“
Daniel, mein kleiner Bruder, setzt seinen Orangensaft ab. Obwohl er erst fünfzehn ist, verfügt er bereits über kräftigen Bartwuchs wie Papa und lässt sich seit neuestem ein Ziegenbärtchen stehen. Ich finde, es steht ihm gut, doch Mama lässt keine Gelegenheit aus, ihn deswegen zu tadeln.
„Portugiesisch ist doch nicht exotisch.“ meint er. „Und sonderlich weit kommst du damit auch nicht. Dann schon eher Spanisch.“
„Jaja“, sagt Mama nach einem Schluck Kaffee. „aber Spanisch spricht doch heute jeder.“
Ich gieße mir Milch in den Kaffee und kaue unbehaglich auf meinem Croissant herum. Wie ich diese Gespräche verabscheue!
Seit ich meinen ersten Einser in Sprachen heimgebracht habe, redet meine Mutter nur noch von den Sprachenschulen und Dolmetscherausbildung. Sie träumt von UN-Konferenzen und Weltfrieden durch meine meisterlichen diplomatischen Übersetzungen.
„Diese Hochschule in Berlin hat ein tolles Programm.“ plappert sie weiter. Papa legt seine Zeitung weg. „Ach Kirsten, lass sie doch mal in Frieden. Wenigstens am Frühstückstisch.“ Der Sonntagsbrunch ist Papa heilig. Da wird nicht gezankt. Er zwinkert mir zu. „Nele wird ihren Weg schon gehen.“ Damit ist das Thema im Normalfall erledigt, doch Mama lässt nicht locker. „In zwei Wochen endet die Anmeldefrist.“
Ich nehme einen Schluck Kaffee. „Weißt du, eigentlich bietet diese Fotografenagentur Meinings einen Workshop im August an.“ Papa lässt das Messer fallen und Mama setzt ihre Tasse geräuschvoll ab. „Junge Dame, wir haben das besprochen.“ sagt sie streng. „Fotografieren kannst du in deiner Freizeit. Hier geht es um deine Zukunft.“
Ich verkrieche mich hinter meiner Kaffeetasse.
„Glaubst du, diese Dolmetscherschulen warten auf dich?“ Immer dieselbe Leier. „Du brauchst diese zusätzliche Qualifikation. Bei deinen Noten in Mathe und Biologie braucht es mehr als die drei Spracheneinsen.“
Ich komme hinter der Tasse hervor. „Eigentlich“, sage ich zögernd. „läuft es besser. Da ist ein Mädchen in der Schule, das ziemlich gut ist in Mathe. Sie hilft mir ein bisschen.“
So ganz gelogen ist das schließlich nicht, doch Mama ist misstrauisch. „Aha.“ sagt sie. „Und wie heißt sie?“ „Eileen“, murmle ich. „Eileen Bischof.“
Neben mir verschluckt sich Daniel an seinem Orangensaft und hustet erst mal kräftig. Als meine Eltern sich einen Blick zuwerfen, formt er lautlos „Eileen Bischof?“ und zieht eine zutiefst ungläubige Grimasse, verrät mich jedoch nicht. „Und sie kann dir wirklich helfen?“ fragt Mama nach. „Und sie hat auch Zeit dafür?“ „Bestimmt.“ Ich nicke. Mir kommt einen Idee. „Mama, was wäre, wenn ich in der nächsten Matheklausur eine zwei schreibe? Darf ich dann den Workshop machen?“ Mama sieht skeptisch aus. „Reicht das noch, um deinen Schnitt zu heben?“ Ich nicke eifrig. Die Klausur ist nächste Woche.
„Na, das klingt doch ganz vernünftig.“ sagt Papa. Mama ist nicht überzeugt, aber dagegen kommt sie nicht an. „Na schön.“ sagt sie schließlich. „Du bringst mir eine Mathezwei und dann darfst du den Workshop machen.“ „Danke, Mama.“ Ich stehe auf und küsse sie auf die Wange. Papa strahlt. Der Frühstücksfrieden ist gerettet.
Ein wenig später schnappe ich mir das Telefon, um mit Emma zu telefonieren und will in meinem Zimmer verschwinden. Daniel hält mich am Arm fest. „Seit wann hängst du mit Eileen hab?“ will er wissen. Ich zucke mit den Schultern. „Warum nicht? Sie ist nett.“ Daniel lacht. „Ja, ich weiß. Ich kenne sie von der Arbeit im Tierheim. Ich hätte nur nicht gedacht, dass sie dein Typ ist.“ Ich überhöre die letzte Bemerkung, doch es wurmt mich doch ein bisschen, dass Daniel sie besser kennt als ich. „Dem Tierheim?“ frage ich überrascht. Daniel nickt. „Ja, sie arbeitet da schon seit Jahren. Hat ein Händchen dafür, die Viecher zu beruhigen, wenn der Tierarzt kommt.“ Er grinst. „Aber das weißt du sicher – jetzt, wo ihr doch beste Freundinnen seid.“ Ich gebe ihm einen Klaps auf den Arm. „Übrigens fahr ich jetzt zum Heim. Komm doch mit.“ schlägt er vor. „Dann kannst du sie wegen der Nachhilfe gleichmal fragen.“
Ich schüttle den Kopf und verzieh mich in mein Zimmer.
Emma hört gespannt zu, als ich ihr von meinem Keller-Abenteuer erzähle. „Das ganze scheint dich ja sehr zu beschäftigen.“ stellt Emma schließlich fest.
„Sie sind schon ziemlich cool.“ Ich höre auf, im Zimmer auf- und abzulaufen und lege mich rücklings auf mein Bett. „Hast du gewusst, dass Eileen im Tierheim arbeitet?“ Ich höre Emma lächeln. „Nein, aber wenn sie dich so sehr interessiert, solltest du sie morgen einfach nach der Nachhilfe fragen – und bei der Gelegenheit kannst du sie dann weiter löchern.“
„Sooo sehr interessiert sie mich auch nicht…“ murmle ich und Emma lacht. „Sie ist nur ganz anders, als ich gedacht habe.“ „Hm.“ macht Emma. Ich setze mich abrupt auf. „ Was soll denn das heißen?“ „Hm“, macht Emma wieder. „Ich höre nur Nadines Einfluss. Die meisten Menschen sind mehr als ihre Hülle, weißt du.“ „Hältst du mich für oberflächlich?“ frage ich erschrocken. „Nein.“ sagt sie bestimmt. „Aber es stimmt schon, was die drei meinten. Du bist sehr angepasst und plapperst manchmal nach Nadines Mund. Du versucht eben immer, es allen Recht zu machen und scheust dich davor, mal die Regeln zu brechen. Allerdings hast du ja jetzt selbst gemerkt, was du dir damit verbaust und welche interessanten Leute und Perspektiven dir damit durch die Lappen gehen. Gerade, wenn du noch immer die Ausbildung zur Fotografin machen willst, ist es wichtig, deinen Horizont ständig zu erweitern und offen für neues zu sein.“
Ich lasse sie in Ruhe ausreden und die Worte nachwirken. Es folgt eine Pause. „Hallo?“ fragt Emma verunsichert. „Hab ich dich verletzt?“ „Nein.“ antworte ich schließlich. „Ich schätze deine Ehrlichkeit.“ Ich lasse mich wieder zurücksinken. „Ich bin froh, dass du mir das gesagt hast.“ „Okay.“ Sie ist hörbar erleichtert.
4
Montagmorgen. Noch etwas müde schließe ich mein Fahrrad ab. Ich bin etwas spät dran, doch die Schülerströme in das Gebäude lassen noch nicht nach. Auf dem Weg zum Klassenzimmer holt mich Nadine ein. Sie hakt sich bei mir unter. „Wie war dein Wochenende?“ will sie wissen. „Du hast ja gar nichts von dir hören lassen.“ „War auch nichts Besonderes. Und bei dir?“ Nadine kichert. „Ich hab dir doch von Stefan erzählt, oder? Wir waren Samstag aus...“
Mit halbem Ohr höre ich ihr zu, wie sie von Stefans Muskeln schwärmt und seinen Tanzkünsten, wie viele Biere er ihr spendiert hat und welches Parfum er benutzt. Wenn ich ehrlich bin, finde ich ihre Geschichten mittlerweile recht langweilig. Zu Anfang habe ich ihr noch an den Lippen gehangen, sie um ihre Erfahrung beneidet und mir auch Verabredungen gewünscht. Stundenlang waren wir zusammen gesessen, hatten uns die Nägel gemacht und von Popstars geschwärmt. Doch ich bewundere sie für ihre Art, scheinbar ohne viel Aufwand immer umwerfend auszusehen und mit welcher Hartnäckigkeit sie ihre Ziele zu erreichen versucht. Auch heute hat sie wieder zielsicher Rock und T-Shirt mit hübschen Sandalen kombiniert. Sie genießt ungeniert die Blicke auf ihre langen Beine, während wir ins Klassenzimmer und zu unseren Plätzen gehen.
Mein Blick fällt gleich auf Eileen, Sven und Tresker, die wie immer in der hintersten Reihe sitzen. Nadine muss ihren Gesprächsstoff noch bei zwei anderen ablassen, die manchmal auch mit uns abhängen und winke dem Trio zu und lächle. Sie winken zurück und plötzlich taucht Emma neben mir auf. Sie grinst ihnen zu und umarmt mich dann zur Begrüßung. „Frag Eileen doch gleich.“ schlägt sie vor. „Ich weiß nicht so recht.“ antworte ich leise und krame meine Deutschsachen aus dem Ranzen. Emma runzelt die Stirn. „Was ist das Problem?“ Ich stelle meinen Rucksack auf den Boden und spiele mit meiner Trinkflasche. „Es ist doch nicht wegen Nadine oder den Idioten, oder?“ fragt Emma und die Runzeln auf ihrer Stirn werden tiefer. Bevor ich antworten kann, klingelt es und die Hanzinger betritt mit ihrem üblichen Tür-Zu-Schlagen den Raum. Ich spüre Emmas Blick in meinem Rücken und schäme mich ein bisschen. Sie hat recht. Ich traue mich ohne Nadines Erlaubnis nicht mal, ihnen ordentlich „Guten Morgen“ zu sagen. Ich nehme mir fest vor, das zu ändern und Eileen in der nächsten Pause zu fragen.
Doch dazu kommt es nicht.
Die drei sind mit dem Klingeln sofort verschwunden und den restlichen Tag haben wir keinen gemeinsamen Kurs mehr. Ich ärgere mich über mich selbst.
Erst am nächsten Nachmittag haben wir den gemeinsamen Mathekurs. Emma, Tresker und Sven sind jedoch im Parallelkurs. Der Humbolt schreibt die Aufgabe von letzter Stunde, die wir zu Hause fertig lösen sollten, an die Tafel und dreht sich mit dem Klingeln zu uns um. Jemand stupst mich an und reicht mir einen Zettel. Ich erkenne Nadines Handschrift. Sie sitzt zwei Reihen schräg links vor mir und hat sich zur Seite gedreht, um mich anzusehen. Erwartungsvoll sieht sie abwechselnd auf den Zettel und zu mir. Humbolt fragt nach unseren Lösungswegen und ich hebe zögernd die Hand. Er sieht überrascht aus. „Ja, Fräulein Duchs?“ Ich erkläre in eigenen Worten, wie ich die Aufgabe verstanden und gelöst habe (nachdem ich sie mit Eileens Hilfe verstanden hatte). Humbolt schreibt mit und nickt anerkennend. „Na, da scheint ja doch noch Hoffnung zu bestehen. Er klopft auf den Tisch eines Schülers, der halb zu schlafen scheint. „Sehen Sie, Herr Bricht, sooo schwer ist das nicht.“ Ich drehe mich verstohlen zu Eileen um, die drei Reihen weiter hinten an der rechten Wand sitzt. Ein Lächeln umspielt ihre Mundwinkel und sie zwinkert mir zu. Ich lächle schüchtern zurück und wende mich wieder nach vorne. Nadine hat den Blickwechsel gesehen. Sie guckt zur Tafel, wo meine Lösung steht, zu Eileen, weder zu mir zurück und hebt die Hände zu einer fragenden Geste. „Was?“ formt sie lautlos und blinzelt in einer Mischung von Unglauben und Unverständnis. Ich zucke mit den Schultern, winke ab und öffne den Zettel.
Ich habe Nadine nichts von dem Abend im Keller erzählt und auch Emma gebeten, es vorerst nicht zu erwähnen – zumindest bis ich weiß, wie es weitergeht. Und das wird es. Hoffentlich. Denn für ein bloßes „Hallo, wie geht’s?“-und „Tschüss“-Verhältnis auf dem Flur ist mir das Trio, vor allem Eileen, zu schade und zu interessant.
Ich weiß nur noch nicht, wie ich eine Freundschaft zu ihnen aufbauen soll. Schon jetzt zermartere ich mir das Hirn über Gesprächsthemen - ganz zu schweigen von der Frage, wie ich sie in Einklang mit der Freundschaft zu Nadine bringen kann.
Nadine ist sich nicht sicher, ob Stefan sie mag, schreibt sie. Er hat sie noch nicht angerufen. „Klar mag er dich.“ schreibe ich schnell. „Hab Geduld. Aber ich würde gerne dem Unterricht folgen. xx“ Ich lasse den Zettel zurückreichen. Nadine sieht verwirrt aus. Mein letzter Satz scheint sie genauso zu überraschen, wie ich von mir selbst überrascht bin, dass ich tatsächlich zuhöre und sogar einen Erklärungsversuch unternehme. „Leider falsch, Fräulein Duchs.“ sagt Humbolt freundlich. „Aber Sie bemühen sich heute ja richtig.“ Er sieht über mich hinweg. „Ja, Fräulein Bischof?“ Eileen zieht die richtigen Schlüsse. Ich sehe zu ihr, beobachte, wie sie mit ruhiger Stimme und mit Hilfe eines Stiftes ihre Lösung in der Luft aufzeichnet. Humbolt lächelt zufrieden und vervollständigt den Tafelanschrieb. Eileen bemerkt meinen Blick und als sie ihn erwidert, werde ich leicht rot und wende mich wieder nach vorne.
Als die Stunde zu Ende ist, packe ich schnell meine Sachen und gehe zu ihr. Bevor ich sie erreiche, geht einer der Vollidioten betont langsam an ihr vorbei und wischt ihre Sachen vom Tisch. Er dreht sich mit einem gehässigen Grinsen um und spaziert dann aus dem Zimmer. „Vielen Dank auch – Wichser!“ ruft Eileen ihm wütend hinterher. Ich bücke mich und helfe ihr, die Sachen aufzusammeln. „Danke.“ sagt sie. „Passiert dir das öfter?“ frage ich sie. Eileen zuckt mit den Schultern. „Hin und wieder.“
Plötzlich steht Nadine neben mir und legt mir den Arm um die Schultern. „Süüüüße“, quengelt sie. „Kommst du?“ Sie wirft Eileen einen argwöhnischen und skeptischen Blick zu. Diese zieht nur eine Augenbraue nach oben. Ich bewundere ihre abgeklärte Art.
„Gleich.“ sage ich zu Nadine. Diese zieht den Arm weg und geht zur Tür. „Ich wollte dich was fragen, Eileen.“ Sie schließt den Reißverschluss ihres Rucksacks und sieht mich dann erwartungsvoll an. „Könntest du mir vielleicht nochmal in Mathe helfen? Ich meine –„ ich deute nach vorn. „Ich kann wirklich Hilfe gebrauchen.“
„Du meinst, sowas wie Nachhilfe?“
„Jap.“
Sie überlegt kurz und nickt dann. „Sicher. Wie wärs denn morgen in der Dritten? Da hab ich Freistunde.“ „Ich auch.“ sage ich und strahle sie an. „Dann bis morgen.“ Ich lasse mich hinreißen und hauche ihr einen Luftkuss neben die Wangen. „Bis morgen.“ murmelt sie perplex.
Nadine hat die Szene beobachtet und empfängt mich an der Tür. Zusammen gehen wir nach draußen. „Ok, schieß los.“ sagt sie unvermittelt. „Was ist denn da los?“ „Ich hab sie um Nachhilfestunden gebeten.“ Ich öffne mein Fahrradschloss und lege die Kette vorne in meinen Korb. „Sie ist gut in Mathe.“ „Ja, und?“ hakt Nadine nach. „Du warst doch bisher nicht sonderlich interessiert daran, deinen Schnitt zu verbessern.“
Ich erzähle ihr kurz von der Absprache mit meiner Mutter.
„Ach so. Aber wieso denn Eileen? Malte hätte dir doch auch helfen können.“
„Der ist doch noch krank. Drüsenfieber.“
Sie blinzelt. „Woher weißt du das denn? Hast du plötzlich Kontakte zur Nerd- und Freakwelt? Wenn du dir dein Shirt noch ein bisschen weiter runter gezogen hättest, würde sie sicherlich auch die Klausur für dich schreiben.“ Sie lacht über ihren Witz und hält dann inne, als ich nicht mit einfalle. „Was ist denn los mit dir?“
„Manchmal kannst du richtig bescheuert sein. Eileen ist richtig nett.“
Ich klinge plötzlich recht scharf. Nadine weicht einen Schritt zurück und hebt die Hände in der beschwichtigenden Geste. „Schon gut.“ meint sie. „Ich hör ja schon auf.“ Wir laufen schweigend über das Gelände. Sie wohnt in der Nähe und wenn wir gemeinsam Schluss haben, begleite ich sie immer noch ein Stück.
Nadine wirft mir immer wieder einen Blick von der Seite zu. „Geht’s dir gut?“ fragt sie, als wir in ihre Straße einbiegen. „Sicher. Wieso?“
„Du bist heute so komisch drauf.“
„Manche deiner Witze sind eben nicht lustig. Wie deine Aktion mit ihrem Schließfach.“
Wir kommen vor ihrem Haus an. Nadine legt eine Hand auf meine Schulter. „Ach, das ist doch ewig her. Ich hätte das schon beinahe vergessen.“ Ich schüttle ihre Hand ab. „Eileen aber nicht.“
Nadine zuckt mit dem Schultern. „Ganz schön nachtragend, die Gute. Aber wieso bist du auf einmal so empfindlich? Du weißt, was mit mir los war.“ Sie lehnt sich auf den Fahrradsattel. „Weißt du, wir haben schon lange nicht mehr richtig miteinander geredet. Komm doch einfach mit rein. Nur für ne Weile.“
Ich zögere, doch dann schließe ich das Fahrrad an ihren Gartenzaun und wir gehen rein.
Ihr Zimmer ist wie immer unordentlich. Überall liegen Klamotten und Zeitschriften herum. An den Wänden hängen Poster ihrer Lieblingsfilme – in fast allen spielen entweder Ewen McGregor oder Matthew McConaughey mit. Auch Ashton Cutcher steht mittlerweile hoch im Kurs. Es gibt nur einen Platz, der filmstar-frei ist: über ihrem großen Bett am Kopfende hängt eine Platte aus Kork, die über und über voll ist mit Fotos von uns. Schnappschüsse von Partys und Ausflügen, Faschingskostüme und verrückte Stylingideen. Dieselbe Korkplatte hängt bei mir über dem Schreibtisch. Die meisten Fotos habe ich selbst geschossen, damals noch mit einer Filmkamera.
Ich betrachte unsere lachenden Gesichter, während Nadine schnell ein paar Oberteile, einen BH, Jeans und diverse Illustrierte vom Bett räumt, damit wir uns setzen können. Auch sie sieht auf die Bilder und hält kurz im Aufräumen inne.
„Sowas haben wir schon lang nicht mehr gemacht.“ stellt sie fest. Dann schmeißt sie die Sachen kurzerhand auf ihren Schreibtischstuhl. „In letzter Zeit hängen du und Emma dauernd wegen der Schülerzeitung zusammen. Es ist ewig her, dass wir mal zu dritt aus waren oder zu einer Veranstaltung hingegangen sind, ohne dass ihr hinterher einen Artikel drüber geschrieben habt.“
Sie setzt sich neben mich. „Ich weiß ja, dass ich euch mit meinen Männergeschichten ein bisschen auf die Nerven gehe, aber Emma hat ihren Max, die Schreiberei und den Fußball. Du hast dein Sprachgefühl und die Fotografie.“ Sie beugt sich vor und greift nach einem Bild, auf dem wir alle drei fröhlich in die Kamera winken. „Bei so viel Talent komme ich mir häufig überflüssig vor. Meine Noten sind Durchschnitt bis Ausreichend und ich bin weder sportlich noch künstlerisch sonderlich begabt. Aber ich kann gut mit Männern.“
Ich nehme ihre Hand. „Du redest Unsinn. Du hast bisher bei allem nur immer viel zu früh aufgegeben. Sobald du dir nen Nagel abgebrochen hast, bist du ausm Sportverein raus – und für künstlerisches Schaffen warst du immer zu ungeduldig.“ Ich streiche ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Naja, zumindest beim Make-Up bist du unschlagbar.“
Sie lächelt. „Toll! Reduzier mich auf ein Stylingpüppchen.“
„Gut mit Make-Up umgehen zu können, ist doch auch etwas wert. Ich könnte deine Hilfe oft genug brauchen.“
Sie beißt sich auf die Lippe und mustert mich prüfend. „Stimmt.“ Sie schnalzt mit der Zunge.
Geduldig lasse ich sie mit Eyeliner, Wimperntusche und Gloss an mir rumhantieren. Sie bürstet mein aschblondes Haar bis es glänzt und trägt ein wenig Puder auf die Sommersprossen auf. „Hast du dir schon mal überlegt, deine Haare rot zu färben?“ Ich verdrehe die Augen. Dazu versucht sie mich schon seit zwei Jahren zu überreden. „Wie wärs denn wenigstens mit aufgehellten Strähnchen? Das würde dir ein wenig pepp verleihen, aber immer noch natürlich aussehen.“
Sie holt einen Spiegel und präsentiert mir ihr Ergebnis. Ich finde mich hübsch. Nadine ist wirklich gut darin, meine Vorzüge hervorzuheben. Die hellgrauen Augen wirken durch den schmalen Lidstrich größer und ich habe tatsächlich sichtbare Wangenknochen. Sie zupft mit zufriedenem Lächeln an meinen Haaren herum, dann springt sie auf, kniet sich hinter mich auf das Bett und legt das Kinn auf meinen Kopf, so dass ihre langen Haare sich mit meinen vermischen. „Sieh mal.“ sagt sie. Wir grinsen uns im Spiegel an. Doch von hellblonden Strähnen lasse ich mich dennoch nicht überzeugen.
Es ist spät, als ich nach Hause komme. Mama kommt aus dem Wohnzimmer geschossen, als ich die Haustür hinter mir schließe. „Da bist du ja. Wir haben schon gegessen.“ Ich lege meinen Rucksack ab und ziehe die Schuhe aus. „Tut mir leid, Mama. Ich war noch bei Nadine und wir haben die Zeit vergessen.“
Mama lächelt. Sie mag Nadine. „Es steht noch was in der Küche.“ Sie will wieder ins Wohnzimmer gehen. „Mama?“ frage ich. Sie bleibt stehen und dreht sich nochmal um. „Samstagabend will ich mit ihr und Emma ausgehen.“ Sie nickt. „Ist gut.“ Sie mustert mich. „Du siehst hübsch aus.“ sagt sie dann. „Wie läuft’s mit der Mathenachhilfe?“
„Wir treffen uns morgen in der Freistunde.“
„Gut.“ Sie sieht zufrieden aus. Ich denke bei mir, dass sie glaubt, dass ich es sowieso nicht schaffe, eine Zwei zu schreiben. Aber ich habe mir fest vorgenommen, sie in der Hinsicht zu enttäuschen.
5
Ich bin seltsam aufgeregt, als die Schulklingel die zweite Stunde beendet. Nadine grinst mir zu. „Viel Spaß!“ Sie verschwindet mit Carola, einer Freundin, mit der sie Musik hat.
Ich packe meine Sachen und warte mit Emma bei den Schließfächern auf Eileen. Diese kommt langsam angeschlendert, den Rucksack auf einer Seite geschultert. Sie ist wieder in ein Buch vertieft, ein kleines Reclamheftchen, das sie in einer Hand hält, während sie mit dem Daumen die Seiten fixiert und mit der anderen Hand an ihrer Unterlippe zupft. Schließlich klappt sie das Heftchen zu und vergräbt ihre Hand in der khakifarbenen Cargohose. Bewundernd und ein wenig neidisch bemerke ich, wie toll sie in ihrem einfachen, aber rockigen Stil aussieht. Sie trägt ein weißes, langärmliges Shirt und einen ärmellosen schwarzen Kapuzenpulli darüber. Sie wirkt schlank, aber nicht dünn; lässig, aber nicht schlampig.
„Hey.“
Sie sieht auf und grinst. „Hey ebenfalls.“
Emma lächelt ihr zu. „Antigone?“ Eileen nickt. „Zeitlose, tolle Geschichte. Ich lese sie jetzt schon zum zweiten Mal.“
Es klingelt und auf dem Flur wird es ruhiger. „Ich werd mir mit Max einen Kaffee gehen holen. Soll ich euch was vom Bäcker mitbringen?“
Wir lehnen dankend ab und Emma läuft zur Tür, hakt sich bei ihrem Freund ein und verschwindet.
„Sie ist nett.“ sagt Eileen nach einer verlegenen Pause.
„Jap“, grinse ich. „und clever. Ihr habe ich das Abenteuer am Freitag zu verdanken. Den Artikel sollte sie eigentlich kopieren. Aber sie wollte sich mit ihrer Referatsgruppe treffen. Also hat sie mich eingewickelt.“
„Zum Glück.“ sagt Eileen. Ich blinzle. „Sonst würdest du jetzt ohne Nachhilfe dastehen.“ Sie grinst und ich bin ein klein wenig enttäuscht. Doch ich überspiele es mit einem Lächeln. „Wenn ich eine zwei nächste Woche schaffe, kann ich einen Fotografenworkshop im August machen.“
Ich erzähle ihr von der Abmachung mit Mama und meinen festen Entschluss, während wir uns im Mensaraum eine ruhige Ecke suchen.
„Na, dann sollten wir uns wohl ranhalten.“ Eileen holt das Mathebuch und ihre Notizen aus ihrem Ranzen. Ich setze mich neben sie. „Am besten gehen wir den Stoff der letzten Stunde und die Hausaufgaben durch.“ schlägt sie vor. Ich stimme zu und wir machen uns an die Arbeit.
Ich glaube, ich stelle mich ziemlich dumm an, doch sie lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Mit engelsgleicher Geduld erklärt sie mir das eine oder andere drei- bis viermal auf unterschiedliche Weise, bis ich es schließlich doch verstanden habe. Wieder schafft sie es, Licht ins Dunkle bzw. Sinn ins Chaos zu bringen und das auf eine Weise, die sogar Spaß macht. Mathe fängt an, mir Spaß zu machen.
Das Ende der Freistunde kommt viel zu früh. Sie steht auf, steckt sich eine Zigarette in den Mundwinkel und schultert den Rucksack. Sie sieht supercool aus. „Wiederholen wir das?“ frage ich schnell, bevor sie zum Rauchen verschwindet. „Ich kann die nächsten zwei Tage nicht.“ sagt sie bedauernd. „Aber du scheinst das Grundlegende verstanden zu haben. Jetzt musst du nur noch üben, üben, üben. Dann dürfte am Montag nichts schiefgehen.“
„Danke dir!“ Ich umarme sie kurz und herzlich. Sie nickt, winkt und geht.
Ich treffe Nadine und Emma zum Englischkurs und berichte ihnen von meinen Fortschritten. „Ihr glaubt gar nicht, wie geduldig Eileen ist. Sie könnte sogar dir etwas beibringen.“ sage ich an Nadine gewandt. Diese lacht. „Naja, besser als der Humbolt ist sie bestimmt.“ „Hübscher ist sie allemal.“ meint Emma.
Nadine fährt herum und guckt skeptisch drein. „Hübsch? Eileen?“
Emma nickt gelassen. „Wenn sie lächelt, strahlt ihr ganzes Gesicht. Sie frisiert und kleidet sich zwar unkonventionell, aber das steht ihr unheimlich gut. Sie ist authentisch.“ Sie lächelt mich an. „Stimmt’s?“
„Schon möglich.“ antworte ich. „Hab ich nicht so drauf geachtet.“ lüge ich. Emma sieht mich prüfend an. Sie merkt das sofort. Nadine legt mir einen Arm um die Schultern. „Das ist doch wieder typisch.“ lächelt sie und küsst mich auf die Wange. „Aber für Modefragen hast du schließlich auch mich. Apropos, wir sollten noch dein Outfit für Samstag besprechen.“
Ich spüre auch noch in Englisch lange Emmas Blick in meinem Rücken, während ich mit Nadine neben mir in der Bank meinen Kleiderschrank durchgehe. Erst als wir das zweite Mal ermahnt werden, vertagen wir das.
, Wieso hast du gelogen? ` flüstert eine Stimme in meinem Hinterkopf. , Emma hat doch Recht. ´
Ich versuche, mich mit dem Present Past Progressive auseinander zu setzen. Nadine spickt bei mir und übernimmt zwei Fehler.
6
Das Wochenende kommt schnell und ich habe Eileens Rat befolgt. Jeden Tag mache ich Aufgaben aus dem Abitur-Vorbereitungsbuch. Es läuft immer besser. Die Klausur kann kommen.
Nur Emma sieht mich seit meinem Schwindel immer wieder mit diesem prüfenden Blick an. Ich traue mich nicht, mit ihr darüber zu reden, denn schließlich weiß ich selber nicht, warum ich gelogen habe.
Samstag lege ich mir nach dem Frühstück das babyblaue Kleid aufs Bett, das mir Nadine geliehen hat. Wir hatten nach langen Diskussionen festgestellt, dass ich „nichts anzuziehen“ hatte und mein Geld war diesen Monat zu knapp für etwas Neues. Daher hatte mir Nadine das Kleid am Freitag in die Hand gedrückt und mir den breiten, schwarzen Gürtel mit Strass dazu empfohlen. Sie und Emma würden abends vorbeikommen, um es abzusegnen, bevor wir losziehen.
Mir ist langweilig und ich mache den Computer an. Es wird mal wieder Zeit, meine Fotos zu sortieren und ein bisschen auszumisten. Ich gehe die Fotos von dem Fußballspiel durch. Viele zeigen immer wieder dasselbe langweilige Motiv. Es gibt aber auch ein hübsches von Nadine, wie sie da sitzt und sich sonnt. Ich drücke es aus, um es an meine Pinnwand zu hängen.
Dann fällt mein Blick auf die Bilder, die ich von Eileen und den Jungs gemacht habe. Wie sie im Schneidersitz ihr Buch liest. Tresker hatte die Kamera bemerkt und rein gezwinkert. Sven sieht unbeteiligt aus. Ich starre das Bild eine Weile an. Es übt eine seltsame Faszination auf mich aus. Eileen trägt ein schwarzes Armband mit zwei silbernen Anhängern, fällt mir auf. Auf dem zweiten sieht sie mich direkt an und ich muss unwillkürlich schlucken. Ihr Blick ist klar – ein wenig fragend, ein wenig misstrauisch. Ernst. Sie fühlt sich gestört. Emma hatte Unrecht. Eileen ist auch ernst sehr hübsch. Der Gedanke verwirrt mich.
Ich drucke diese beiden Fotos auf gutem Papier aus und nehme sie in die Hand. Sie sind gut geworden. Die Schärfe und der Kontrast sind beinahe optimal, nur ein wenig blass wirkt Eileen. Vielleicht hätte ich noch die Sättigung anpassen sollen. Ich schneide sie mit dem Papierschneider aus und hefte sie an meine Pinnwand. Ich trete einen Schritt zurück und betrachte das Ergebnis.
Sie wirken fehl am Platz, denn auf allen anderen Bildern herrscht quietschbunte Fröhlichkeit.
Ich bin einen Moment unentschlossen. Dann schnappe ich mir die Mathesachen, rufe meinen Eltern auf der sonnigen Terrasse einen kurzen Abschiedsgruß zu und steige auf mein Fahrrad.
Batzmacher Weg.
Ich werde langsamer, als ich einbiege und komme vor der Nummer 18 zum Stehen.
Zögernd gehe ich zur Haustür. „Eileen und Christiane Bischof“ steht auf dem Klingelschild. Ich drücke es. Ich bin aufgeregt. Zu spät fällt mir ein, dass sie mir gesagt hatte, sie wäre beschäftigt. Doch galt das auch für das Wochenende? Vielleicht war sie im Tierheim. Mist. Ich hätte Daniel fragen sollen.
Die Tür geht auf.
„Nele?“ Eileen trägt enge Jeans und ein schlichtes T-Shirt. Sie ist überrascht, doch sie lächelt erfreut. „Was machst du denn hier?“ Darauf bin ich vorbereitet. Ich deute auf meinen Rucksack. „Ich war gerade an einer Aufgabe und kam nicht weiter und hatte gehofft…“ Ich rede schnell und werde unsicher. Sie tritt bei Seite. „Komm rein.“
„Wirklich? Störe ich dich nicht?“
Sie schüttelt den Kopf.
Wir gehen die Treppe im Flur nach oben. Sie lässt mir den Vortritt und ich gehe ein paar Schritte weiter, um mich neugierig in ihrem Zimmer umzusehen.
Es ist ordentlich und hell. Durch das große Fenster und die gläserne Tür, die auf einen Balkon hinausführt und gerade offen steht, kommt viel Licht. Der Schreibtisch und das Bett sind in hellem Holz gehalten, so wie das große Regal, das die gesamte Wand gegenüber vom Bett einnimmt und sich unter der Last der Bücher zu biegen scheint. Am Fußende ihres Bettes steht ein Keyboard, auf dem sie offenbar gerade gespielt hat, denn die Anzeige und einige Knöpfe blinken in hellen Farben.
„Nicht das, was du erwartest hast, was?“ fragt Eileen. Sie hat die Hände in den Hosentaschen vergraben und lehnt im Türrahmen.
„Du magst wohl rot?“ Ich deute auf die Bettwäsche, den Schreibtischstuhl und die Wand hinter dem Bücherregal: alles in einem kräftigen Rot. Eileen zuckt mit den Schultern. „Das war die Idee meiner Mutter, aber es gefällt mir ganz gut.“
„Ist sie das?“ Ich laufe zum Schreibtisch und betrachte ein gerahmtes Foto. Eileen steht Arm in Arm mit einer brünetten, rundlichen Frau. Beide strahlen und ich erkenne tatsächlich die Ähnlichkeit in ihrem Lachen. Eileen nickt und löst sich, die Hände noch immer in den Taschen, von der Wand und kommt zwei Schritte näher.
„Und wo ist dein Vater?“ Ihr Lächeln gefriert ein wenig. „Weg.“ sagt sie schlicht. „Tut mir leid.“ murmele ich schnell. „Ich wollte dich nicht löchern.“ Sie lächelt wieder. „Schon in Ordnung. Um es kurz zu machen - “ sie stellt sich neben mich. „er ist ausgeflippt, als ich mich geoutet habe. Wollte mich rauswerfen.“
„Scheiße.“
Sie schürzt die Lippen. „Naja, er war ein Arschloch. Hat ständig gesoffen und Mama auch ein paar Mal betrogen. Sie hat immer zu ihm gehalten, aber als er mich vor die Tür setzen wollte, hat sie unsere Sachen gepackt und ihn verlassen.“ Sie streicht über das gerahmte Foto. „Wir standen uns immer recht nah und haben ihn nie vermisst.“
„Hast du es…“ Ich zögere ein wenig. „von Anfang an gewusst? Ich meine, dass du…lesbisch bist.“ Es fühlt sich seltsam an und ungewohnt, es auszusprechen. Mir wird ein bisschen warm, als ob ich etwas Verbotenes getan hätte. Sie merkt es und grinst ein wenig spöttisch. „Ich dachte, du wolltest mich nicht löchern.“
Nun werde ich vollends rot. „Tut mir leid.“ murmele ich schon zum zweiten in diesem Gespräch. Eileen lacht und ich muss ebenfalls grinsen.
„Entschuldige dich doch nicht ständig für dich. Das hast du gar nicht nötig.“ sagt sie. Mich überrollt eine Welle der Zuneigung für sie.
„Um deine Frage zu beantworten“, fährt sie fort, „ich hatte mich nie für Jungs interessiert und mit 12 habe ich mich dann in meine Klassenlehrerin verknallt. Meine Mutter sagt immer, sie habe es schon immer gewusst.“ Sie streicht sich durch den Iro. „Tja, das kam dann mit 13. Nachdem wir ausgezogen waren.“
Unwillkürlich strecke ich die Hand aus und fahre mit den Fingerkuppen über die Spitzen. „Es passt zu dir.“ Sie wird ganz still und lässt mich gewähren. „ So cool und unabhängig von Konventionen.“ Ich bin überrascht von meinem Mut und ziehe die Hand zurück. Sie mustert mich nachdenklich. Und ein wenig verlegen.
„Und du?“ fragt sie dann. „Was ist mit deiner Familie?“
Ich seufze. „Meinen Bruder kennst du ja. Zwischen uns herrscht das übliche Gezeter unter Geschwistern – mal hassen wir uns, mal haben wir uns lieb. Die schlimmste Phase haben wir hinter uns und manchmal sind wir sogar sowas wie Freunde. Papa hält sich immer aus allem raus. Er hängt sehr am allgemeinen Familienfrieden und versucht zwischen mir und Mama zu vermitteln.“
„Wie bei der Sache mit dem Workshop?“
Ich nicke. „Sie hält hartnäckig an der Vorstellung fest, dass ich eines Tages bei Weltfriedenskonferenzen dolmetsche und vermittle. Dass sie Fotos von mir mit berühmten Leuten und Politikern aufhängen und sagen kann: das hat meine Tochter möglich gemacht!‘“
Ich setze mich aufs Bett. „Sie will nichts davon hören, dass meine Träume anders aussehen. Sie meint, dass man mein Talent für Sprachen nicht ungenutzt lassen darf.“
„Und wovon träumst du? Von einer Karriere als berühmte Fotografin?“
Ich schüttle den Kopf. „Berühmt will ich gar nicht sein, nur fotografieren - Menschen, Orte, Momente.“ Ich grinse sie an. „Die Fotos von dir sind toll geworden.“
Sie grinst ein wenig unsicher zurück. „Ach ja?“
Ich nicke und bevor ich es verhindern kann, rutscht es mir raus: „Sie bieten das mit Abstand interessanteste Motiv!“ Sofort werde ich knallrot. Ich flirte mit ihr, fällt mir erschrocken auf.
Eileen blickt mir direkt in die Augen. Sie hat es natürlich bemerkt – und meine Reaktion. Ich sehe eine Mischung aus Verwirrung und dem Versuch, mich und mein Verhalten einzuordnen. Und ich stelle fest, dass das linke Auge etwas grün schimmert.
„Ich meine“, füge ich hastig hinzu. „Fußball ist so langweilig.“
Ihre Miene wird zu einer undurchdringlichen Maske.
„Wovon träumst du?“ frage ich nach einer kleinen Pause, in der ich siedend heiß nach einer Ablenkungsmöglichkeit gesucht habe. Sie lässt sich tatsächlich ablenken und findet zu ihrem Lächeln zurück, als sie sich auf den Schemel vor dem Keyboard hinsetzt.
„Ich weiß nicht genau.“ antwortet sie. „Ich mag Tiere und Bücher. Vielleicht studiere ich Tiermedizin oder Literatur.“ Sie grinst nun breit. „Vielleicht werde ich auch Rockstar!“ Sie spielt ein paar Takte auf dem Keyboard und hört wieder auf.
„Spielst du mir noch mehr vor?“
Sie sieht etwas verdutzt aus. „Hier? Jetzt?“
„Ja.“
Eileen überlegt und schürzt die Lippen. Dann fängt sie wieder zu spielen an. Es kommt mir bekannt vor. Ich raffe die Schultern und beuge mich etwas vor, während ich in meinem Gedächtnis krame.
„Corpse Bride?“
Sie lächelt und nickt. „Eigentlich spielt man das vierhändig.“ Sie zögert, dann rückt sie auf dem Schemel etwas nach links und klopft neben sich. „Komm her. Ich zeig’s dir.“
Ich stehe auf, gehe um sie herum und setze mich hin.
„Hast du schon mal gespielt?“ fragt sie. Ich schüttle den Kopf. „Ich kenne Noten und die Tonleiter aus Blockflötenzeiten, das ist alles.“
Ich lege probehalber meine rechte Hand auf das Keyboard und drücke ein paar Tasten. Sie nimmt meinen Daumen und zieht ihn drei Töne tiefer. Dann spreizt sie meinen Ringfinger und den kleinen Finger, bis meine Hand gleichmäßig über eine Oktave verteilt ist. Sie legt ihre Hand auf meine und drückt meine Finger auf die Tasten. Ich versuche mir die Reihenfolge zu merken, doch es geht zu schnell. Ihre Hand ist warm und fühlt sich gut an – so wie sie selbst. Sie riecht nach Zigaretten, Zitronenmelisse und etwas, was sich nicht genau definieren lässt. Ich mag die Mischung.
Sie lässt meine Hand los und ich versuche es selbst. Es klappt erst beim zweiten Versuch, doch sie scheint zufrieden. Sie positioniert sich tiefer und fängt zu spielen an. Sie signalisiert mir meinen Einsatz.
Schon beim dritten Ton tippe ich total daneben. Sie lacht über meine missmutige Miene. „Keine Sorge. Wir probieren es nochmal.“
Auch diesmal scheitere ich, doch genau wie bei Mathe bleibt sie geduldig. Schließlich gebe ich mit einem tiefen Seufzer auf.
Eileen wirft mir einen spöttischen Blick zu und spielt einige Takte. Dann geht sie fließend zu einem anderen Song über. Ihre Hände schweben über die Tasten, während sie mich angrinst.
Ich sehe ihr fasziniert zu, dann stupse ich sie lächelnd mit meiner Schulter an. „Angeberin!“ Sie beendet das Spiel und stupst zurück. „Prinzessin!“
„Freak!“
Sie lächelt mich an und mir wird wohlig warm.
„Eileen?“ Wir fahren ein bisschen erschrocken auseinander. Eileens Mutter erscheint in der Tür. Sie bemerkt mich und bleibt stehen. „Oh, entschuldige. Ich wusste nicht, dass du Besuch hast. Ich wollte nicht stören.“
„Du störst nicht.“ sagt Eileen schnell und wir stehen auf. „Das ist Nele. Wir kennen uns aus der Schule. Nele – das ist meine Mutter.“
„Christiane.“ stellt sie sich vor und reicht mir die Hand. Ihr Händedruck ist herzlich, so wie ihre freundliche Miene. „Bleibst du zum Essen, Nele?“
Erschrocken sehe ich auf meine Armbanduhr. „Ist es schon zu spät? Ich muss gehen!“
„Ich bring dich zur Tür.“ bietet Eileen an.
„Aber vielen Dank für die Einladung.“ sage ich noch an Eileens Mutter gewandt, als wir an ihr vorbeigehen. Sie winkt.
„Alles in Ordnung?“ fragt Eileen, als ich in Windeseile in meine Schuhe schlüpfe. Sie sieht enttäuscht aus. „Ja, natürlich.“ Ich gehe zur Tür. „Ich bin nur mit Nadine und Emma verabredet. Das hätte ich beinahe vergessen.“
Bevor ich aus dem Haus gehe, drehe ich mich nochmal um. Eileen hat die Hände wieder in den Hosentaschen vergraben und sieht ein wenig verunsichert aus. Ich lächle unschlüssig und wiederstehe dem Drang, sie zu umarmen.
„Bis dann.“ sage ich leise.
Sie lächelt zögernd. „Bis dann.“
Ich ziehe die Tür hinter mir zu.
Während ich nach Hause fahre, versuche ich das Klopfen meines Herzens auf die Anstrengung zu schieben.




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comments


Wundervoll!
Eine wundervolle Geschichte, warmherzig und liebenswert erzählt. Ich kann gar nicht genug davon bekommen!
Abbeyroad - 18.09.2020 21:29
wundervoll!
atayari - 18.11.2013 16:36
Bildlich. Das ist schön.
MissBambule - 09.07.2013 00:00
Like
littleDrama - 09.05.2013 18:20
Echt toll
Miyalicious - 02.05.2013 13:57
schöner schreibstil ;)
darkmetis - 11.03.2013 19:05
:-)
NicoRobin - 13.02.2013 13:13
wow
speedie11 - 13.12.2012 03:18
Einfach cool
mien93 - 25.11.2012 20:35

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