Was/wem lauscht du gerade?
Heinz Rudolf Kunze - Ende der Vernunft
http://www.youtube.com/wa [...] VL73c4V0
Ende der Vernunft
Eines Morgens hatte das Geld genug von uns.
Die Brötchenkäufer faßten in ihre Hosentaschen,
und als sie die Münzen auf die Bäckertresen legten,
fragten sie sich verwundert,
was da so klimperte.
Die Verkäuferinnen beschnupperten ratlos das schimmernde Metall
und hatten keinerlei Verwendung dafür.
Die Börsenhändler zerpflückten ihre Akten
und bewarfen sich mit Papierfliegern.
Schon um neun Uhr morgens brachen die Nachrichtensprecher
mitten im Ablesen der amtlichen Albernheiten angewidert ab
und sagten die ganze Wahrheit.
Und siehe:
Sie war viel besser zu ertragen
als die geschminkte Kriegsbemalung zuvor.
Ein reger Tauschhandel setzte ein:
Noch in der gleichen Nacht bekamen die Huren
von ihren Freiern Essen und Kleidung statt Eurocheques,
und Sängern und Dichtern brachte man Tabak und Wein
als Eintrittsgeld zur Phantasie.
Jeder Mann holte seine Träume von den langen Bänken,
auf die er sie geschoben hatte,
staubte sie ab
und prüfte sie auf ihre Brauchbarkeit.
Allen, die gern hämisch als Vorletzte lachen,
blieb es im Halse stecken.
Ein gewisser Noah machte interessante Vorschläge
und sie verbreiteten sich wie ein Lauffeuer.
In ganz Deutschland gab es nur noch eine Mark,
und das war die Mark Brandenburg,
und keiner fragte sich mehr, was sie wert war.
Die Menschen betrachteten entzückt ihre leeren Hände
und begannen in ihnen zu lesen:
Unglaubliche Geschichten und Liebesgedichte
vom Ende der Vernunft.
http://www.youtube.com/wa [...] VL73c4V0
Ende der Vernunft
Eines Morgens hatte das Geld genug von uns.
Die Brötchenkäufer faßten in ihre Hosentaschen,
und als sie die Münzen auf die Bäckertresen legten,
fragten sie sich verwundert,
was da so klimperte.
Die Verkäuferinnen beschnupperten ratlos das schimmernde Metall
und hatten keinerlei Verwendung dafür.
Die Börsenhändler zerpflückten ihre Akten
und bewarfen sich mit Papierfliegern.
Schon um neun Uhr morgens brachen die Nachrichtensprecher
mitten im Ablesen der amtlichen Albernheiten angewidert ab
und sagten die ganze Wahrheit.
Und siehe:
Sie war viel besser zu ertragen
als die geschminkte Kriegsbemalung zuvor.
Ein reger Tauschhandel setzte ein:
Noch in der gleichen Nacht bekamen die Huren
von ihren Freiern Essen und Kleidung statt Eurocheques,
und Sängern und Dichtern brachte man Tabak und Wein
als Eintrittsgeld zur Phantasie.
Jeder Mann holte seine Träume von den langen Bänken,
auf die er sie geschoben hatte,
staubte sie ab
und prüfte sie auf ihre Brauchbarkeit.
Allen, die gern hämisch als Vorletzte lachen,
blieb es im Halse stecken.
Ein gewisser Noah machte interessante Vorschläge
und sie verbreiteten sich wie ein Lauffeuer.
In ganz Deutschland gab es nur noch eine Mark,
und das war die Mark Brandenburg,
und keiner fragte sich mehr, was sie wert war.
Die Menschen betrachteten entzückt ihre leeren Hände
und begannen in ihnen zu lesen:
Unglaubliche Geschichten und Liebesgedichte
vom Ende der Vernunft.
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