Teil von Ihr
Teil von ihr
Sie scheint sich überlegen vorzukommen,
in gewisser,perverser Weise.
Wie sie dasitzt,
kalkweiß im Gesicht und schweißüberströmt.
Die zittrige linke Hand drückt in die rechte Armbeuge.
Wir beide sind im Wartezimmer der Blutspendestation.
Ihr haben sie bereits den halben Liter abgezapft.
Sie hat ihnen nicht gesagt
was unter den Pflastern lag,
sie hatte ein langärmliges Shirt an
und den Menschen in Weiß
war nicht viel wichtig
ausser dem was da
flüssig aus ihr rann.
Sie hatten sie in den Ausnüchterungsraum gelegt
auf eine blaue Liege.
Eine halbe stunde,sagten sie,solle sie da liegen.
Sie blieb keine 5 Minuten.
Jetzt sitzt sie da,
das Kinn sackt immer wieder von der Schulter
zu schwer für Hals und Genick
Sie schüttelt den blutleeren Kopf wenn jemand vorbeikommt,
mit großen Augen,ihr einen Schluck Wasser
oder eine Begleitung zur nächsten Liege anbietet.
Nur noch bis sie sicher sein kann dass sie die fünf Schritte zum Ausgang schafft,
sagt sie sich
wird sie hier sitzen bleiben.
Sie lächelt,
der Schweiß,der ihr in beinahe bizarrem Tempo aus der Stirn über das Gesicht,die Brauen,die Lider läuft
und eine obskure Bahn schwarzen Mascaras wie
die Tränen einer Marien-Statue hinterlässt-
sie tut als sei das normal.
Sie lächelt ein Lächeln das tapfer wäre
läge es auf einem lebendigeren Gesicht.
Ob die Ärzte wissen dass sie hier eine Art Vorstufe zur Sterbehilfe geleistet haben?
Nur einen Herzschlag lang sehe ich sie bröckeln,
ihre Fassade aus Genuß am eigenen Untergang.
Es ist,als sie sie anfasst
die Frau von der Rezeption.
Als sie ihr die Hand auf das Knie legt (ob sie weiß,dass auch darunter....?)
sie mit ungarischem Akzent "Schätzchken" nennt
und ihren Blick nicht loslässt
nicht fliehen lässt
packt
und festhält
zur rede stellt,
sie durchdringt
mit zwei fragenden Augen,
besorgten Augen.
Sorgen.Sie sorgt sich um sie.
Alarmstufe.
Das Eis ist gebrochen
das heilige Schutz-Pack-Eis aus Unnahbarkeit,
selbsgtemacht aus der Überzeugung heraus
niemandem etwas wert zu sein.
Wenn sie jetzt nicht aufhört
wird es womöglich schmilzen.
Ich sehe ihre ausweichenden Pupillen,
sehe die Panik
und das fliehende Lächeln,
dass versucht die Frau dazu zu bewegen fort zu gehen sie liegen zu lassen
im hausgemachten Ruin-Höhepunkt.
Stattdessen fragt sie das Mädchen,
wann sie das letzte Mal etwas gegessen habe
was die Ärztin wegen der Kratzer an ihrem Arzt gesagt hätte
und wieder;sie solle sich doch hinlegen.
Alle Augenpaare,das weiß sie ohne es zu überprüfen
liegen in diesem Quadrat vierer weißer Wände auf ihr,sie muss sich dessen nicht vergewissern
sie spürt die Härte,
die abschätzige Verwunderung
wie Steine,
die sie bewerfen.
Sollte Steinigung in einem zivilisierten Land nicht längst abgeschafft worden sein?
Ein staubiges "es geht mir gut" winkt alle Hilfe,
alles Gut-Gemeinte ab
und während ich noch bete
sie möge hartnäckig bleiben
steht die Frau auf,zuckt die Schultern
und weiß
glaube ich
nicht
was sie da gerade tut,
nein,
besser wäre wohl:nicht tut...
Sie ist draussen,jetzt.
Hat es geschafft erst im Treppenhaus zusammenzubrechen.
Sie ist bei mir jetzt.
Hat es geschafft mich solange einzusperren bis es zu spät zum Einschreiten
und zu früh zum Trösten war.
Ich hasse sie dafür was sie sich antut.
Ich hasse ihre Kreativität dabei.
Ich hasse die Kraft die sie dafür aufbringen kann
ich hasse dass sie mir das Schlachtfeld,
dass sie hinterlässt zum Aufräumen übergibt.
Ich hasse es in ihr zu wohnen
Ich bin Untermieter
Beischläfer
Mitesser
im goldenen Käfig.
Ich bin die Seele dieses Mädchens
und frage mich
ob es für gemobbte Seelen
eine Kündigungsfrist gibt.
Ich bin ihre Seele
die ihren brechenden,zitternden,würgende n Körper hält,
nicht streichelt,
nur hält.
Ich bin meine Seele,
die,
die will
dass meine Dämonen
allesamt
endlich
endlich
ausziehen mögen.
(In ihrem Körper ist kein Platz für drei.)
..........................
Die Seelenstotterer
Uns gehen die Alibis aus.
Langsam.
Aber sicher.Vielleicht geht das allen so.
So mit der Zeit.
Aber unsere Zeit
hat noch gar nicht begonnen können,
da war sie auch schon wieder vorbei.
Unsre Zeit,
die Zeit der Seelenstotterer.
Die Berge in uns
sind es leid
versetzt zu werden
und wir
aus den steinen,die uns in den Weg gelegt werden
Zen-Statuen zu bauen.
Das sich immer und immer wiederkäuende Schweigen für "Ruhe und Ausgeglichenheit" zu verkaufen,
wir sind es leid
"das geht schon wieder von alleine weg" zu sagen,und auch
"tat gar nicht weh".
Wir sind es leid
das immer selbe Lied
vom Leid.
Wir sind
es leid.
Wir sind
das Leid.
Hast Du schonmal einen Papagei
gesehen,
in all seiner Pracht,
grün,weiß und gelb,
sprechend
und wachen Blickes?
Hast Du erkennen können,
so durch das Gitter
dass er dabei war,
sich selbst zu rupfen
während er "schöööönes Wetterr" trällerte,
genauso,
wie es ihm beigebracht wurde?
Nein?
Ach,und wenn schon.Brauchst ja nicht hinschauen.
Wir leben weiter
wir wahren den Schein
damit die andren
nicht erfrieren.
Wir leben weiter
beobachten die Welt durch Stäbe
und hoffen irgendwann
fällt uns ein
was
"schönes Wetter"
denn gleich nochmal
war.
........................
Reklamation
Verzeihung,
aber könnte ich
kurz
Du sein?
Ich beiße auch nicht.
"Die is ganz lieb,die macht nix,is nur so anhänglich",sagen sie über mich,
und wenn ich könnte,
wedelte ich mit dem Schwanz.
Könnte ich also
kurz
Du
sein?
Nicht lange,
ich verspreche auch ganz still zu halten.
Und nichts kaputt zu machen.
Ehrlich gesagt,
ein,zwei Spuren,
die würde ich allerdings schon gerne in Dir hinterlassen
und Unordnung,
ja.
Deine Schubladen durcheinander bringen,
Deine Mauer ein bißchen einreißen,
Dein Herz ein bißchen ausziehen,
Deine Worte,die die niemals jemand hören sollte
aussprechen,nur ein paar,die,
die Du in Quarantäne stecktest
und vergaßt,sie dort wieder rauszuholen.
Deine Gefühle,die,die sich nicht gut verkaufen,
die auf den Wühltisch verbanntest und zu Schleuderpreisen an die verhökertest,
die Dir nah,aber nicht zu nah kamen,
die werde ich resozialisieren,
rehabilitieren,rekonstruieren und letzten Endes so reparieren dass sie rentabler und repräsentativer sind,
als es Dir lieb ist.
Dich ein bißchen mehr als nur nackt sehen wollen würde ich
(und es wäre gelogen,würde ich mich so,
pur
unverdünnt
schön
und roh wie Du wärst,
wenn Du Du wärst,
ganz Du
nicht auf der Stelle in Dich verlieben müssen),
...Dich.
-dann
wieder aus Dir rausgehen,
wieder die Enge meiner eigenen Haut spüren,
und wissen,
dass das "Reserviert"-Schild,
das Du trägst
gelogen ist.
Und Du
in
diese Lüge
verliebt.
cTapioka